Historie von Holzhausen

Die uns bekannte schriftliche Ersterwähnung Holzhausens stammt vom 25. August 1289. In einer Urkunde des Bischofs von Merseburg zu einem Rechtsstreit wird ein „Dominus Johannes de Holzhusen“ genannt, der wohl in unserem Ort über Besitz verfügte. Sein Name wird auch in weiteren Schriftstücken erwähnt. Ob er der Grundherr von Holzhausen war, kann jedoch nicht bewiesen werden. Die Besiedlung Holzhausens erfolgte bereits etwa 100 Jahre früher. Im Zuge der Ostexpansion gründeten Flamen vom Niederrhein in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts das Dorf Holzhausen, „die Siedlung am Walde“.

Im 13. Jahrhundert existierten auf der heutigen Holzhausener Flur auch noch die Dörfer Zuckelhausen, Liprandisdorf und Kolm. Die beiden letzteren wurden im 14. Jahrhundert verlassen, sie wurden „wüst“. Zuckelhausen, alter Name „Zschukolosa“, geht auf eine sorbische Siedlung zurück und ist wohl 100 Jahre älter als Holzhausen.

Bemerkenswert sind die Ortskerne der beiden benachbarten Dörfer. Während Zuckelhausen als Rundangerdorf (der heutige Zuckelhausener Ring) angelegt wurde, erkennen wir Holzhausen als typisches Straßenangerdorf (heutige Hauptstraße). Die unmittelbare Nähe dieser beiden Dorfformen stellt in Deutschland eine Seltenheit dar.

1383 wurde Holzhausen dem Augustiner Chorherrenstift zu Leipzig übereignet. Nach der Reformation gingen 1544 Holzhausen und Zuckelhausen in den Besitz der Leipziger Universität über. Sie übte bis 1844 die Gerichtsbarkeit aus und empfing Naturalleistungen und Frondienste.

Viele geschichtliche Ereignisse prägten das Leben der Einwohner des heutigen Holzhausens. Der 30 jährige Krieg (1618 – 1648) brachte Not und Elend, und während der Völkerschlacht bei Leipzig waren durch harte Kämpfe zahlreiche Menschenopfer und große Zerstörung zu beklagen.

In der frühen Zeit bewegte sich die Einwohnerzahl von Holzhausen und Zuckelhausen nur um wenige Hundert. Infolge der industriellen Entwicklung stieg sie nach 1870 auf über Tausend an. Vor allem der Anschluß der beiden Orte 1887 an die Bahnlinie Leipzig-Geithain hatte bedeutende Auswirkungen, wie z.B. die Ansiedlung zahlreicher Gärtnereien. Im Laufe der Zeit entwickelte sich Holzhausen mit über 30 Gärtnereien zu einem Gärtnerdorf, das auch über Deutschland hinaus bekannt war.

Die Vergangenheit und die Erinnerung haben eine unendliche Kraft.

Wilhelm von Humboldt

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts siedelten sich die beiden Industriebetriebe A. Krautzberger & Co und Fränkel & Viebahn in unseren Orten an. Zu DDR-Zeiten beschäftigten sie als Sprio-Werke und Mitteldeutscher Feuerungsbau zwischen 600 und 800 Arbeitskräfte.

Am 1. April 1934 erfolgte die Vereinigung von Zuckelhausen und Holzhausen, die bereits seit den 20er Jahren angestrebt wurde.

Von 1933 bis 1945 wurden in unserem Ort 19 Antifaschisten mehrere Jahre inhaftiert und unter ihnen Walter Heise, Angestellter von Fränkel & Viebahn, am 8. Februar 1945 in Dresden hingerichtet.

Während des 2. Weltkrieges litt auch die Holzhausener Bevölkerung unter Bombenangriffen, die am 20. Oktober 1943 in der heutigen August-Bebel-Siedlung 8 Menschenleben forderten.

Am 18. April besetzten amerikanische Truppen kampflos Holzhausen. Sie wurden am 3. Juli 1945 von sowjetischen Armeeangehörigen abgelöst. Während deren Besatzung entstanden im Saal des Zuckelhauener Gasthofes (heute „Zur Linde“), in dem ehemals sowjetische Kriegsgefangene inhaftiert waren, die Lichtspiele Holzhausen. 1990 wurde das Kino geschlossen.

Im repräsentativen Wohngebäude in Täschners Garten kam ab 1954 der Kindergarten unseres Ortes unter.

Die Polytechnische Oberschule besuchten zu DDR-Zeiten bis zu 700 Schüler.

In den Wendejahren nach 1989 gründete sich auch in Holzhausen ein „Runder Tisch“, der bis zur Wahl des neuen Gemeinderates die Geschicke des Ortes leitete.

Im Jahre 1992 erfolgte die Einweihung einer neuen Kindertagesstätte ebenfalls auf dem Gelände des ehemaligen Täschners Garten.

Der Heimatverein Holzhausen e.V. wurde 1996 von elf Bürgerinnen und Bürgern ins Leben gerufen. Die Mitgliederzahl nahm stetig zu, und 2001 begann mit einem beispielhaften ehrenamtlichen Einsatz die Sanierung des alten Berggutes, Reste eines ehemaligen Dreiseitenhofes vom Dorf Zuckelhausen. Nach nur 3 Jahren entstand damit ein kultureller Mittelpunkt Holzhausens und eine über den Ort hinaus gut besuchte Begegnungsstätte. Am 1. August 2014 zählte der Heimatverein 99 Mitglieder.

Ein neues Feuerwehrgebäude für Holzhausen konnte am 3. Oktober 1999 übergeben werden.

1999 erfolgte auch die Eingemeindung Holzhausens in die Stadt Leipzig, obwohl 84 % der Teilnehmer eines Bürgerentscheides dagegen gestimmt hatten. Anstelle des Gemeinderates wird nunmehr ein Ortschaftsrat gewählt, dessen Wirkungsgrad stark eingeschränkt ist.

Die territoriale Ausdehnung von Holzhausen beträgt 12,8 qkm. Charakteristisch sind mehrere Siedlungen mit Einfamilienhäusern. Am 31.12.2018 hatte Holzhausen 6584 Einwohner.

Brigitte Wagner